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SPORTLEHRERIN
 



 

Es fehlten 5 Sekunden

Natürlich habe ich nach dem Abi hin und her überlegt was ich studieren soll. Ich hatte zwar eine Zeit lang an Kunst gedacht, da ich gerne und gut zeichne, aber dafür war meine kunstgeschichtliche Basis und mein Interesse für die moderne Kunst dann doch nicht ausreichend. Mein Ding ist der Freizeitsport und das Tanzen.

Also stand dann bald fest: In Richtung Sport sollte sich mein zukünftiges Studium bewegen und dazu muss man eine Aufnahmeprüfung an der Sporthochschule machen. Ich habe zwar bisher meine gesamte Freizeit mit Sport gefüllt (Tanzen und Kung Fu) und war in diesen Bereichen auch wirklich erfolgreich, aber das machte mich beim Schwimmen nicht schneller. Es fehlten mehr als 2 Minuten zur Mindestzeit. Welche Blamage! Ich wurde aus dem Becken gewunken, weil die nächsten schon am Startblock standen.

Aber so schnell gab ich nicht auf. Fast ein Jahr lang Training, teilweise sogar mit Privatlehrer und dann trat ich wieder mit klopfendem Herzen an den Beckenrand und hatte tatsächlich meine gesamte Angst vor dem Wasser verloren. Es ging viel besser. Technik 1a, Kraft vorhanden, Wille war auch da, aber leider fehlten am Ende lumpige 5 Sekunden. Aus der Traum. Meine ganze Welt ging unter. Zum zweiten Mal gescheitert, so kurz vor dem großen Ziel. Mein absoluter Tiefpunkt.
In dieser Zeit lernte ich die grenzenlose Unterstützung meiner Eltern sehr schätzen. Sie hatten riesiges Vertrauen in mich und meinten zu mir: „ Du wirst deinen Weg finden, bleib ruhig!“. Freunde rieten mir zwar, es doch mit einer kaufmännischen Lehre zu probieren, aber dafür habe ich kein Abi gemacht. Es sollte Sport sein, jetzt erst recht.

Glücklicherweise hatte ich das Jahr nicht nur zum Wassertraining genutzt, sondern jobbte als Kursleiterin in einem Fitnessstudio. Dafür hatte ich zwar keine Ausbildung, aber umso mehr Begeisterung. Das gefiel dem Chef und als ich das zweite Mal durch den Sporttest rasselte fiel mir das Angebot einer Privatschule ein. Die bilden zum Fitnesstrainer aus und am Ende gibt es sogar den Bachelor of Arts, also einen akademischen Titel. Leider standen zwischen mir und der Ausbildung 11.880 Euro die ich nicht hatte. Da es sich aber um ein Fernstudium handelte, das die Arbeit in einem Ausbildungsbetrieb voraussetzt, sprach ich den Chef an. Der kannte mich bereits, wusste dass ich sehr engagiert bin und griff letztendlich für mich tief in die Tasche.

Jetzt habe ich drei harte Jahre vor mir. Arbeiten und Studieren, das wird nicht einfach. Aber es ist mein Ding, es passt zu mir, sogar noch viel besser als ein Sportwissenschaftsstudium und deshalb ziehe ich es durch, schwimmen muss ich ja jetzt nicht mehr ;-)

Keep on moving
Anita


Filmwissenschaft | Managerin