Jedes Jahr brechen 30% ihr Studium ab, das sind ca. 80.000 Studenten, so viel wie die Städte Dessau oder Worms Einwohner haben. Im nächsten Jahr werden es wieder so viele sein.
Als die drei Hauptgründe für den Abbruch werden die akademische Freiheit, andere Erwartungen an die Studieninhalte und zu viel Theorie angegeben.
Mit anderen Worten, man sei den Schulbetrieb gewohnt und die Freiheit und Anonymität des Campus überfordere einfach. Man hat sich unter der Fachrichtungen etwas anderes vorgestellt und die Vorlesungen haben keinen Bezug zur Praxis. Dann gibt es weitere Gründen, wie persönliche Probleme, finanzielle Engpässe, Studienanforderungen und lange Studiendauer, aber die spielen eine untergeordnete Rolle.
Die genannten Hauptgründe für den Studienabbruch sind allerdings mit Vorsicht zu genießen. An den Fachhochschulen, wo es noch Klassenverbände gibt und das Studium weniger theoretisch ist, liegt die Abbruchquote immer noch bei 21%. Das lässt vermuten, dass die Gründe vielleicht ganz wo anders liegen. Das soll hier kurz untersucht werden. Die Abbruchquote von 30% hat nur eine beschränkte Aussagekraft. Man muß sich auch die Zahl der Studienwechsler anschauen. Diese Gruppe hat sich zuerst auch für den falschen Studiengang entschieden, bleibt aber an der Universität und wechselt nur den Fachbereich. Deren Fehlentscheidung beruht demnach ausschließlich auf die zu geringe Information über den Studieninhalt.
Diese falsche Information über die Studieninhalte wollen wir näher untersuchen. Studenten der Sozialwissenschaften haben eine Abbruchquote von 42% und die Sprach- und Kulturwissenschaftler 41%. Aber auch Geografie- und Bauwesenstudenten verlassen mit 35% überdurchschnittlich oft die Uni. Dazu kommen bei den Sozialwissenschaftlern weiter 30% Studienbereichswechsler und bei den Sprach- und Kulturwissenschaftlern sind es sogar 32%. Damit haben sich über 70% der Studenten falsch entschieden, als sie sich für einen dieser beiden Studiengänge immatrikulierten. Die Mathematiker halten übrigens mit 45% Wechslern die einsame Spitze, aber das nur nebenbei. Bleiben wir bei den Sozialwissenschaftlern und versuchen die wahren Gründe des Abbruchs besser zu verstehen. An der Uni brechen von diesen 42% ab und an der Fachhochschule nur 6%. Die Studienwechsler liegen an der Uni bei 30% und an den Fachhochschulen nur bei 5%, was übrigens der Durchschnitt für alle Fachbereiche an den Fachhochschulen ist. Der Grund liegt darin, dass gerade im Bereich Sozialwesen die Studenten an den Fachhochschulen häufig aus der Praxis kommen und genau wissen, worauf sie sich einlassen.
Daraus kann man schließen, dass die wirklichen Gründe auch bei den Studienabbrechern mehr an der mangelnden Information über das Studienfach liegen als in der akademischen Freiheit und den theoretischen Vorlesungen, obwohl beide vorrangig als Gründe angegeben werden. Im Klartext heißt das: Wir informieren uns zu wenig und lassen uns zu sehr beeinflussen. Unsere Eltern und die Umwelt haben mit ca.70% den größten Einfluss auf unsere Entscheidungsfindung. Die professionelle Information, wie z.B. Schulbesprechung, BIZ und persönliche Beratung, machen nur 20% aus.
Da es aber so viele Berufe gibt wie das Jahr Tage hat, und jedes Jahr 100 neue Studienrichtungen dazu kommen, sollten wir uns an die Profis wenden. Dabei ist es egal, ob der eine Berater besser oder schlechter ist, das Informationsmaterial beim Arbeitsamt ist sehr gut. Auch Abi-Messen und Schnupperstudien sind hervorragende Informationsquellen.
Ein Studienabbruch ist noch lang nicht das Ende einer erfolgreichen Karriere, Bill Gates und Michael Dell sind die besten Beweise dafür. Auch Steven Spielberg und Mick Jagger gehören dazu. Dennoch, wenn wir unseren Traumberuf finden wollen, dann sollten wir viel mehr die Zügel selbst in die Hand nehmen. Wir sollten uns fragen, was wir am liebsten machen wollen, und uns dann erkundigen, wie wir dieses Ziel erreichen können, denn "ein guter Anfang ist ein halber Erfolg." Ungarische Weisheit.
Zusammenfassung: Studienabbrüche sind überwiegend das Ergebnis mangelnder Information. Literatur: HIS Studienabbruchstudie 2002; OECD-Indicators Studienabbrecher, Gründe und Hintergründe, Dr. Hudabiunigg; www.studienabbrecher.com
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