|
|
|
 |
 |
 |
 |
VIELE CHANCEN, WENIG NACHFRAGE |
 |
|
|
Die CampusChances Messe für Studenten, Absolventen und Professionals fand nur wenige Schritte von der Uni in Karlruhe statt, aber man hätte sie auch in der Walachei aufbauen können, denn die Nachfrage war sehr gering. Als ich um 9 Uhr ankam, um den ersten Vortrag über "Das Vorstellungsgespräch" um 9Uhr30 nicht zu verpassen, war ich mit den Ausstellern allein. Karlsruhe zeigte sich von der akademischen Seite und ließ sich erst einmal nicht aus der Ruhe bringen, und wegen einer Karriere Messe schon gar nicht.
Das hatte natürlich viele Vorteile, denn ich konnte mit den Repräsentanten der einzelnen Firmen sprechen ohne warten zu müssen und die waren froh, dass sich überhaupt jemand für ihre Unternehmen interessierte, auch wenn es vom ersten Moment an klar war, dass ich nicht der Kandidat war, mit dem sie sprechen wollten. Ingenieure gibt es nicht. Die Firmen EDAG Engineering + Design AG und Olympus Winter & Ibe GmbH hätten sofort mehrere eingestellt, aber es waren keine da. "Die Leute wollen alle zu BMW oder Mercedes gehen," klagte der Personaler von Olympus, "und wir haben einfach keinen klingenden Namen."
Die Firma GIS Software suchte vielleicht nicht so dringend IT Spezialisten, aber wenn ihre Auftraggeber, die Kernkraftwerksindustrie, wieder Aufträge erhalten, dann wird eingestellt. Ein junger Softwareingenieur, der seit 4 Monaten bei der Firma ist, sah die Zukunft auf alle Fälle sehr positiv.
Die Überraschung kam allerdings bei den Firmen, die Betriebswirte suchten. LOYAS Private Finance AG und MLP Finanzdienstleistungen AG sind sehr schnell expandierende Unternehmen und suchen Betriebswirte. Das überrascht, denn die Zahl der arbeitslosen Wirtschaftswissenschaftler hat im Jahr 2003 um 19,4% zugenommen[1].
Auch die Firma NORMA-Lebensmittelfilialbetrieb scheint Probleme zu haben, geeignete Betriebswirte zu finden, denen man die Leitung von 5 oder 6 Filialen anvertrauen kann. Dort wäre man zwar "Mädchen für alles," aber eine internationale Handelskette wie NORMA bietet bestimmt auch interessante Aufstiegsmöglichkeiten. Ein Blick auf die Konkurrenten ALDI und LIDL und deren Handelsradius lässt die Expansionsmöglichkeiten erahnen. Das Einstiegsgehalt von 48.000 Euro p.a. und Firmenwagen, schien mir auch sehr angemessen.
Warum es so viele arbeitslose Jungakademiker gibt, bleibt nach dem Besuch der Messe unverständlich. Wer vor seiner Studien- oder Diplomarbeit bereits die Themen mit den Firmen koordiniert und ein Praktikum absolviert, der sollte auch als Berufsanfänger keine Schwierigkeiten haben einen Job zu finden. Derartige Messen sind der ideale Platz, um seine Fühler auszustrecken, den Markt zu testen und Partner für seine Interessen zu finden.
Gesamteindruck: Viel zu wenig Optimismus, viel zu wenig Dynamik, viel zu wenig Selbstvertrauen. Dafür kamen um 11Uhr30 viel zu viele Besucher zum Vortrag "Die Karriere im Auswärtigen Amt," während doch gerade die Exportindustrie dringend Nachwuchs fürs Ausland sucht.
Zusammenfassung: Wir sollten uns erst einmal um unsere Interessen kümmern und wenn sich unsere Richtung herausgebildet hat, den Kontakt zu Firmen aufnehmen. Denn nur, wenn wir Profil zeigen, kann uns die Firma erkennen.
[1] Bundesagentur für Arbeit
|
Der Nachwuchs triumphiert bereits | Chance über Chancen
|
|