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ICH WILL AUF DIE BÜHNE
 

Wer beeinflusst eigentlich unsere Berufswahl am meisten? „Die Presse, die Eltern, die Schule.“ Das sind die Antworten, die ich bei meinen Vorträgen erhalte, und alle sind richtig.

Aber in einem Gymnasium in Nienburg sagte eine junge Dame: „Beziehungen.“

Im großen Kreis wollte ich nicht näher darauf eingehen, und deshalb sprach ich mit ihr nach dem Vortrag.
Die Dame stand kurz vor dem Abitur, war türkischer Abstammung und lebte bereits mit ihrem Freund zusammen. Eine neue Küche war schon gekauft, und das Abenteuer Liebe wurde aus vollen Zügen genossen. Alles wunderbar. Leider stand die Studien- & Berufswahl an. Die Dame wollte eine Bühnenausbildung auf einer Künstlerschule in Hamburg absolvieren:
„Und warum gehen Sie da nicht hin?“
„Wir haben uns gerade die Wohnung eingerichtet, und ich weiß nicht ob mein Freund in Hamburg Arbeit findet.“
„Was macht er denn?“
„Er ist Maurer.“

Damit lag das Problem auf dem Tisch. Natürlich läuft die Baubranche derzeit im Leerlauf, und eine Stelle zu finden ist nicht einfach, aber darum geht es nicht. Maurer ist ein sehr vielseitiger Beruf, und ein junger Mann wird in einer Millionenstadt wie Hamburg bestimmt Arbeit und Wohnung finden, besonders wenn es die Ausbildung und die Zukunft seiner Freundin erforderlich macht.

„Aber wenn Ihr Freund Sie liebt, dann wird er doch Ihrer Ausbildung nicht im Wege stehen?“
Soweit hatte sie natürlich auch schon gedacht und das Problem mit ihrer Mutter besprochen. Dort bekam sie volle Unterstützung: „Wenn ich du wäre, würde ich nach Hamburg gehen!“
Leider ist das alles nicht so einfach. Die erste große Liebe, das erste Mal einen eigenen Haushalt, das erste Mal raus aus dem Elternhaus. Kein Wunder, dass ihr die Tränen kamen.

Aber so ist nun einmal das Leben. Irgendeine Herausforderung gibt es immer. Deswegen müssen wir unseren Weg finden und das können wir nur, indem wir uns und unsere Träume ernst nehmen. Allerdings bedarf dieses, neben der Einsicht, auch sehr viel Mut.

Diesen Mut hatte eine andere junge Dame, die ich im letzen Jahr in einer Jugendherberge in Hamburg traf. Sie absolvierte gerade ein Schnupperwochenende an genau dieser Künstlerschule und war begeistert. Dort fühlte sie sich verstanden, das wollte sie machen. Dafür war sie bereit, ihr Studium der Juristerei an der Uni Bonn aufzugeben, und nach Hamburg zu ziehen.

Ob sie es dann wirklich getan hat, weiß ich nicht, aber sie hat sich und ihre Träume ernst genommen, sie ist nach Hamburg gefahren und hat sich die Schule einmal genauer angesehen. Sie nahm also die Zügel ihres Lebens selbst in die Hand. Recht hatte sie, und wir sollten das Gleiche tun, denn jetzt haben wir noch die Möglichkeit, uns in den Mittelpunkt unseres Lebens zu stellen. Später mit Familie und Verpflichtungen wird alles viel schwieriger und vielleicht unmöglich. Dann bedauern wir ein Leben lang, dass wir damals nicht einmal den Versuch unternommen haben, uns und unsere Träume ernst zu nehmen.

„Wovon immer du träumst, fang damit an. Mut hat Kraft, Zauber und Illusion in sich.“ (Goethe)


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