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KÜNSTLERLOHN IST HUNGERLOHN
 

„Wenn ich wirklich das machen sollte was mir gefällt, dann würde ich Künstlerin werden, aber da muss man ja von einem Hungerlohn leben.“

Dieser berechtigte Einwand kam bei einem meiner Vorträge in Dresden. Obwohl es in diesem Bereich keine klaren Abgrenzungen gibt, spricht die Agentur für Arbeit von einer Arbeitslosenquote von 33%. Der Bund Bildender Künstler schätzt sogar, dass nur zwischen zehn und zwanzig Prozent von ihrer Kunst leben können.
Sollte man deshalb auf ein Kunststudium verzichten?

Wenn man das sichere Einkommen braucht, dann sollte man die Finger von der Kunst lassen. Wenn es einen allerdings zur Kunst hinzieht, dann sollte man seine Neigungen ausleben.

„Aber wovon soll ich dann leben?“

Nun mal schön der Reihe nach. Es gibt überhaupt keinen Beruf in dem wir erfolgreich sein werden, wenn wir uns nur in den engen Grenzen des gewählten Berufs bewegen. Egal ob Ingenieur, Mediziner, Schuster oder Rechtsanwalt, wenn wir keine Ahnung von Soft Skills, Wirtschaft und Kommunikationstechniken haben, dann werden wir auch in diesen Berufen nicht triumphieren. Genau das Gleiche gilt für die Künstler: Dalí war ein Verkaufsgenie und Van Gogh eben nicht. Der eine trank Wein, der andere Wasser.

Dazu kommt, dass die Kunst heute wesentlich mehr Facetten hat, als dies jemals der Fall war. Vom Bildhauer über den Video- und Medienkünstler bis hin zum Museumspädagogen ist die Auswahl riesig. Deshalb gibt es auch keinen Grund, sich seinen Traum nicht zu erfüllen, und die Kunst nur des gesicherten Einkommens wegen in den Eimer zu werfen, noch bevor man den ersten Pinselstrich gemacht hat.

Eine Freundin von mir ging auf die Hochschule der Künste und hielt sich mit Wandmalerei über Wasser. Nach dem Studium eröffnete sie mit Freunden eine Verkaufswerkstatt für Tonwaren. Die meisten stellten Vasen her und alle hatten ihr Auskommen.

Ein Freund ist nach der Banklehre Maler geworden. Seine riesige Wohnung ist ein einziger Traum, und sein Motorrad hat mehr Power als das unglückliche Gesicht der Sprechstundenhilfe meines Zahnarztes.

Natürlich gibt es auch andere Beispiele. Dennoch, wir haben es in der Hand, unser Leben zu gestalten, und da gibt es Schlimmeres als einen Beruf auszuüben, der uns Spaß macht.

Literatur:
Unimagazin 02/2004 S. 22 und 03/2005 S. 42
Beides sind Veröffentlichungen der Bundesagentur für Arbeit.


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