|
|
|
 |
 |
 |
 |
SOZIALPÄDAGOGE |
 |
|
|
|
|
|
Mir fiel die Berufswahl alles andere als leicht, aber jetzt hab ich's. Ich konnte die Kriterien, nach denen ich mich entscheide, einschränken.
Das Geld, das ich mal verdienen werde, ist keines davon und auch nicht die Sicherheit, die mir mein zukünftiger Job bieten soll. Was viel mehr für mich zählt ist, ob ich mir vorstellen kann, in meinem Beruf aufzugehen und - als Voraussetzung dafür - ob es mir Spaß machen wird.
Mein ganzes Leben lang fiel es mir schwer, meine Interessen auszuloten, was dazu führte, dass ich fast jedem Sportverein angehörte, diverse Instrumente spielte, an AGs der Schule teilnahm...weil ich mich ungern langweile und Stillstand das schlimmste ist. Zumindest weiß ich jetzt hobbymäßig, was ich will und was mir Spaß macht. Nur mit den Berufen ist das nicht so einfach, weil man in die Berufe nur bedingt reinschnuppern kann. Nachdem ich meinen Hauptschulabschluss und anschließend die Mittlere Reife mit relativem Erfolg abgeschlossen hatte wusste ich absolut nicht was ich werden wollte. Aber ich hatte die Möglichkeit, das Abi zu machen. Und ich dachte mir: "Ja, warum nicht, dann hast du danach umso mehr Auswahl“ (was die Sache mit der Berufswahl nicht unbedingt einfacher machte). Ich war/bin technisch interessiert. Leider war das Technische Gymnasium so voll, dass ich mit dem wirtschaftlichen vorlieb nehmen musste. Das erschwerte meine Berufswahl wieder, da ich feststellte, dass ich auch noch ein natürliches Verständnis und Interesse für Volkswirtschaftslehre habe. Somit hatte ich nach meinem Abi ungefähr zweitausendsiebenhundert Berufe zur Auswahl und fühlte mich einfach nur verloren.
Auch nach dem Zivildienst wusste ich noch nicht, wo's lang geht. Ich mich nach Australien, um der unangenehmen Tatsache der Berufswahl nochmals zu entgehen. Eine Flucht, wie mir durchaus klar war. Allerdings hatte ich auch eine Ausrede: mir im fernen Ausland Gedanken über meine beruflichen Interessen zu machen, was sich ebenfalls als Ausrede herausstellte. Aber ich durfte einige sehr wichtige Erfahrungen machen und traf nicht wenige Menschen, die dasselbe Problem wie ich hatten. Mir wurde klar, dass ich tun und lassen kann was ich will, dass ich völlig frei bin. Wichtige Erkenntnis. Ab einem gewissen Zeitpunkt wird es Zeit, sich von den Vorstellungen und Wünschen seiner Eltern beispielsweise zu verabschieden - was ich nach meiner Rückkehr ein Jahr später auch sofort tat und mir fiel ein unglaublich großer Stein vom Herzen.
Auch lernte ich, dass man Gelegenheiten wahrnehmen sollte, wenn sich eine bietet. Und mir boten sich gleich zwei. Zum einen kam ich mit nichts aus Australien zurück und brauchte unbedingt eine Möglichkeit, Geld zu verdienen. Ich landete auf einer Jugendbildungsstätte. Mit Nullerfahrungen in Sachen Jugendliche und Pädagogik, was die Arbeit aber umso interessanter machte. Also rann ans Neue und Unbekannte. Zum zweiten hatte ich das Glück, eine Bekanntschaft zu machen, die einen guten Posten bei einer großen, erfolgreichen Firma hatte und mir auch sagte, dass ein Studiengang, der mir aufgrund meiner Interessen Wirtschaft und Technik sehr zusagte, in ihrer Firma angeboten wird. Also bewarb ich mich gleichzeitig um den Studienplatz an einer Berufsakademie und ziemlich bald spürte ich ein etwas komisches Gefühl im Bauch. Plötzlich war ich mir nicht mehr sicher, ob es richtig war, diese Gelegenheit wahrzunehmen. Nebenher machte mir die Arbeit mit den Schulklassen tierischen Spaß. Ich habe so ´ne Art Talent dafür, zwischen Kumpel und Respektsperson zu stehen und in diesem Zustand ist sehr viel möglich, wenn es darum geht, Jugendlichen sinnvoll die Zeit zu vertreiben. Ich verspürte auf einmal einen Drang mich weiterzubilden, weil ich feststellte, dass mir noch gewisse pädagogische Fähigkeiten fehlten. Die Kids hören mir zwar zu, machen, was ich sage, aber es könnte noch viel besser gehen und das will ich erreichen. Und plötzlich ist mir klar, was ich tun werde.
Ich studiere Sozialpädagogik.
Allerdings habe ich eine Sache vergessen - und plötzlich liegt ein Brief in meinem Briefkasten. Ich hatte echte Angst davor ihn zu öffnen. Was soll ich nur tun, wenn es eine Zusage auf meine Bewerbung ist? Es war eine Absage, und ich verspürte eine Art Erleichterung. Ich bin jetzt 24, aber ich würde nicht sagen, dass die Jahre Verschwendung waren, die ich damit verbrachte, auf Malta zu arbeiten, durch Australien zu trampen und sonst wie der Frage zu entgehen, die sich jedem Schulabgänger stellt.
Jede Antwort ist so gut oder schlecht wie ihre Frage.
Philip
|
Managerin
|
|