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DER NACHWUCHS TRIUMPHIERT BEREITS
 

"Wenn jemand eine Reise tut....," das tat ich, und davon will ich erzählen. Ich flog von Malaga zur BeSt nach Wien, der größten deutschsprachigen Berufs- und Studienmesse mit 80.000 Besuchern.

Die Zwischenlandung in Madrid sollte eigentlich kurz sein, aber es gab eine stundenlange Verspätung. Ein gute Gelegenheit, mir meine Mitpassagiere etwas näher anzusehen. Mir fiel eine Gruppe von zirka 20 jungen Menschen auf. Anfangs dachte ich, es sei ein Mannschaft weil sie so sportlich und durchtrainiert aussahen, aber die Krawatten, das elegante Kostüm, die Computer, die Bücher und das Rumfummeln mit dem Organizer ließen mich zweifeln. Sie könnten auch Absolventen eines Master of Business Administration Kurses sein, so war es dann fast auch.

"Wir sind alle von der gleichen Firma und arbeiten in Österreich," erklärte mir die junge Dame neben mir. Sie selbst war Mathematikerin und bei einer Consulting Firma beschäftigt. Die wiederum hatte den Auftrag die gesamte Software von Bawag, der zweitgrößten Bank in Österreich, zu modernisieren. Dafür wurden 200 Spezialisten angestellt. Diese bestanden nicht nur aus Spaniern, sondern auch aus Deutschen, Griechen und Schweizern. Die Mathematikerin lebte schon seit einem Jahr in Wien und freut sich bereits auf das nächste.

Ein Kollege von ihr war Chemiker. "Ich bekam nie eine feste Anstellung in meinem Beruf. Dann hat mir diese Firma eine Umschulung zum Informatiker bezahlt und mir einen festen Vertrag versprochen, sollte ich mich gewähren. Das tat ich."
Er sieht seine Zukunft sehr rosig. "Unsere Firma ist auf Bank Software spezialisiert. Wenn das in Österreich gut geht, werden Polen, Ungarn und die Baltischen Staaten folgen, wir haben Arbeit genug."

Dieser Nachwuchs lebt bereits die Zukunft. Sie hatten alle eine gute Ausbildung und den Willen, sich in neue Gebiete einzuarbeiten. Landesgrenzen gibt es nicht mehr, Nationalitäten auch nicht. Die Geschäftsprache ist Englisch. Keiner wird sie jemals fragen, wie viele Jahrzehnte sie bei dieser Firma gearbeitet haben, es interessiert nur, an welchen Projekten sie beteiligt waren, was sie können. Einige werden in Österreich bleiben, andere werden vielleicht eine eigene Firma gründen und wieder andere werden Professoren oder Politiker werden.

Jeder wird seinen Weg machen, denn unsere dynamische Gesellschaft bietet jeden Tag neue Möglichkeiten.
Eine andere junge Passagierin war Repräsentantin einer Haarcremefirma aus Jerez. Sie wurde in Wien erwartet und fuhr weiter in die Tschechische Republik. Auf der dortigen Fachmesse unterstütze sie ihre Vertriebsfirma mit Werbematerial und Expertise. "Eigentlich bin ich für Asien zuständig," sagte sie mir. "Wir sind zwar eine kleine Firma, aber wir exportieren weltweit."

In Asien ist sie meistens in Hongkong, dorthin kommen die Einkäufer aus allen Teilen Asiens. Geschäftsprache ist Englisch oder Französisch. Auch sie gehört der neuen Generation mit grenzenlosen Möglichkeiten an.
In der Jugendherberge in Wien gab sich der Nachwuchs ein fröhliches Stelldichein. Es waren Semesterferien und viele schauten sich einfach mal Wien an.
Einer war Informatikstudent an der Uni Ulm. "Viele brechen ab," meinte er. "Am Anfang waren wir vielleicht 300 in der Mathematikvorlesung, jetzt sind wir 200."

Sein Freund studierte Bio-Chemie mit Bachelor Abschluss. Eigentlich hatte er sich zuerst in der Fachhochschule für Medizintechnik immatrikuliert, aber das war mehr ein Ingenieurstudium, das wollte er nicht und wechselte schnell zur Uni.
Ein anderer hatte gerade seinen Betriebswirt an der FH Nürtingen mit Schwerpunkt Marketing bestanden und machte einen Barmixerkurs in Wien. "Ich habe nur Wirtschaft studiert, weil ich mich selbständig machen wollte. Mir schwebt eine Bar in Spanien vor." Ungewöhnlich, aber warum nicht. Jeder sucht sich seinen Weg. Er sprach gut Englisch, Französisch und Spanisch. Das Mixen von Getränken macht er schon seit sechs Jahren, der Mann wusste, was er wollte.

Dann war ein ganzes Pharmazie Semester der Uni Utrecht in der Jugendherberge. Die besuchten die Uni Wien und einige Pharmakonzerne. Ganz nach holländischer Art hatten sie alle eine einheitliche Kleidung an und der enge Klassenverband war sichtbar. Gerade deshalb gehen deutsche Studenten nach Holland. Dort sind die Unis verschult, das verkürzt die Studienzeiten und Auslandserfahrung wird gratis mitgeliefert.

Eine Architekturstudentin aus Cottbus stellte sich für ein Praktikum vor. Sie war im dritten Semester und sehr optimistisch. Große Pläne hatte sie nicht dabei, woher denn auch, aber viele Modelle, denn genau darauf legte das Architekturbüro in Wien großen Wert.

Ein junger spanischer Anwalt war ebenfalls fürs Wochenende in Wien. Er studierte in Krakau International Relation, sein Ziel war das Auswärtige Amt. Sein Englisch war sehr gut und sein Humor noch viel besser.

Eine sehr ungewöhnliche Frau lernte ich allerdings auf einer Party kennen. Sie kam vor knapp zehn Jahren nach Wien und hatte weder Bekannte noch sonstige Beziehungen in Österreich. Allerdings brachte sie ein Bauingenieurstudium und viel Ergeiz mit. Heute ist sie die einzige weibliche vom Gericht zugelassene Sachverständige für Bauschäden in ganz Österreich. Bravo!

Zusammenfassung: Du bewegst dich, ich gebe dir den Lohn. Persisches Sprichwort




Die Studienabbrecher | Viele Chancen, wenig Nachfrage