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THEATER, MON AMOUR
 

Als ich zum ersten Mal wirklich ernsthaft an die Schauspielerei als Beruf dachte, wurde mir schlecht. Kein Mensch in meiner Familie war Künstler, kein Mensch hatte meine kleinen Rollen im Schultheater ernst genommen, ich auch nicht.
Aber irgendwie kam ich von dieser Idee nicht mehr los, wollte einfach an nichts anderes mehr denken. Kein Wunder das meine Familie einen heftigen Schock bekam als ich von meinem Vorhaben berichtete.

"Schauspielerin? Du spinnst mal wieder," hat Vater ganz schlicht geantwortet und das Thema war beendet. War es aber nicht.

Ich begann mich für die Aufnahmeprüfungen für die Schauspielschulen vorzubereiten. War natürlich nicht einfach, ich musste leider auch meine ersten Niederlagen einstecken. Die wollten mich einfach nicht haben, nicht in Berlin und nicht in München. Das tat schon etwas weh, aber was soll's, das Künstlerleben ist hart und da muß man sich eben anpassen. Hab ich auch und mit 20 Jahren wurde ich an der Schauspielschule München angenommen. Nach zwei Jahren wechselte ich zur Hochschule der Künste in Berlin und bekam dort auch mein Diplom.

Während der Ausbildung hat man natürlich schon Kontakt zu den Brettern. Ich stand in München und Berlin drauf und erhielt nach dem Studium auch ein nettes Engagement in Schwedt/Oder.
Aber es war nicht leicht. Wir hatten einen kleinen Spielplan und ich musste viele Rollen möglichst schnell lernen und dann auch noch mit der Konkurrenz umzugehen und bemerken, dass ich schon ziemlich viele eigene Vorstellungen von Theaterstücken hatte, aber noch nicht das Handwerkszeug diese Ideen auf die Bühne zu bringen. So gab es wieder mal Auf- und Abs, aber ..... auch das war gut, denn das Leben lehrt dich am meisten und viele Erfahrungen sind heute Gold wert.
Dann kamen andere Theater in Deutschland und Österreich dazu, Film-, Fernseh- und Hörfunkengagements, ich nahm alles an.

Aber irgendwie füllte mich dieser vorgegebene Betrieb nicht aus. Ich wollte selbst was machen, wollte meine Ideen verwirklichen. Nebenbei hatte ich zwar immer schon kleine Stücke geschrieben und sie auch selbst aufgeführt, aber das war eben nur nebenbei.

Der Sprung ins kalte Wasser kam als ich 34 Jahre war, da gründete ich mein eigenes Theater. Seit dieser Zeit bin ich meine eigene Herrin. Nach den ersten beiden Stücke, die ich schrieb kamen weitere und heute stehen 10 Stücke auf dem Spielplan. Mein Spezialgebiet sind aktuelle Themen für die Zielgruppe Kinder und Jugendliche. Einige kann ich allein aufführen, bei anderen arbeite ich mit KollegenInnen zusammen. Über Arbeit kann ich mich nicht beklagen.

2003 hatte ich 208 Auftritte, zwei Premieren von neuen Stücken und jetzt Anfang Dezember bin ich mit meiner Truppe bereits mit 83 Auftritt fürs kommende Jahr gebucht. Zwischen Cottbus und Südtirol ist alles dabei. Dazu kommen noch Workshops, Vorträge und Einzelunterricht. Ich bin im Geschäft, ich bin Schauspielerin, ich bin Autorin, ich bin Managerin, ich bin Bühnenarbeiterin, ich bin glücklich.

Würde ich alles noch einmal so machen? Natürlich nicht. Mit der Erfahrung der letzen 20 Jahre wäre es schlimm wenn ich nichts dazu gelernt hätte. Vielleicht würde ich etwas mehr Literatur studieren, vielleicht früher mit Gesangs- und Tanzunterricht begonnen zu haben, Ideen, die täglich in meinem Kopf herumschwirren kontinuierlicher aufschreiben. Einfach eine breitere Basis schaffen. Aber was soll's, ich mache das was mir Spaß macht und verdiene damit mein Geld. Wer kann das schon von sich behaupten.

Sag mal "Hallo" wenn ich in deiner Stadt bin, den Spielplan findest du unter www.b-albrecht-theater.de




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